Grindel
oder, die ersten Hochhäuser Deutschlands...

1956 sind die letzten der 2121 Wohnungen bezugsfertig



Die Geschichte
Wollen wir nicht mal hoch bauen ? - So fragte die rheinische Presse im Jahr 1951, als die Hochhäuser am Grindelberg aus der Erde wuchsen: Von den einen als seelenlose Wohnmaschine abgelehnt, von den anderen stolz "Manhattan" genannt, sorgte das Grindeshausviertel in der gesamten jungen Bundesrepublik für Aufsehen. Deutschlands erste Wohnhochhausstadt polarisierte, rief aber gerade bei Fachleuten Euphorie hervor und wurde zum Wallfahrtsort der bundesdeutschen Architektenschaft. Noch heute besuchen auswärtige Architekten, Planer und Architekturstudenten Deutschlands bekannteste und älteste Wohnhochhaussiedlung.


27. Juni 1946
Mehrere Tausend Menschen demonstrieren gegen die Vertreibung von rund 40.000 Mietern aus ihren Wohnungen westlich und nördlich der Außenalster, wo jetzt Unterkünfte für die britische Kontrollkommission entstehen sollen. Die Umquartierungen belasten wie dei Demontagepolitik das Verhältnis zwischen Besatzern und Besetzten. Am 15. Juli beginnen die Ausquartierungen in Harvestehude mit der Räumung von Wohnungen in der Isestraße, der St. Benedikt-Straße und im Nonnenstieg. Der am 19. August zum Zivilgouverneur ernannte Sir Henry Vaughan Berry lässt die Requisitionen im November 1946 einstellen. Zunächst fortgeführt wird der Bau von 900 Offizierswohnungen in fünf großen Blocks am Grindel.


25. Oktober 1950
Die Anfänge
Was unmittelbar nach Kriegsende als Teil des "Hamburg project" der englischen Besatzungsmacht begonnen hatte, wurde kurz darauf zur Bauruine. Mit der Entscheidung, statt in Hamburg in Frankfurt das Hauptquartier der britischen und der amerikanischen Besatzungsmächte zu konzentrieren, wurde die Großbaustelle am Grindelberg stillgelegt. Zwölf fertig gestellte Fundamente, zehntausend Tonnen Stahl, Bauzaun, fünfzehn Baracken und drei Nissenhütten   warteten auf weitere Verwendung. Dieser Zustand forderte eine Entscheidung: Der Senat traf sie nach langer Prüfung der verschiedenen Alternativen -  Konzentration auf den Ausbau der Kriegsruinen, Bau von konventionellen fünfgeschossigen Wohnhäusern oder Weiterbau der Wohnhochhäuser -  zugunsten der Weiterführung des von den Engländern begonnenen Bauprojekts. Die Fertigstellung dieses riesigen Bauvorhabens in der geplanten Form musste als wirtschaftlichste Lösung angesehen werden. So wurde aus dem britischen " Hamburg project" im März 1948 ein Projekt der Stadt Hamburg.


April 1950
Die ersten beiden 15geschossigen Grindelhochhäuser, die Blocksv 1 und 4 an der Ecke Grindelberg/Oberstraße sind bezugsfertig. Wohnhochhäuser dieser Art waren im Bundesgebiet bisher unbekannt. Der 109m lange und 43m hohe Block 1 hat 294 Ein-Zimmer Wohnungen, der gleichgroße Block 4 bietet 188 Unterkünften mit ein bis drei Zimmern. In den Kellergeschossen liegen die zentralen Versorgungseinrichtungen; die Erdgeschosse sind hier Läden, in Block 1 einem Postamt vorbehalten. Für den Bau der ersten beiden Blocks hat die Stadt im März 1949 7,8 Mio. DM bewilligt. Trotz Fernheizung, Fahrstühlen, Müllschütten und Gemeinschaftsantennen entspricht die Miete den Grundsätzen des öffentlichen geförderten Wohnungsbaus; sie beträgt pro Quadratmeter und Monat 1,10 DM plus 0,15 DM Komfortzuschlag, also monatlich 75 DM für eine 60 m2 große zwei Zimmer Wohnung. Die ersten Mieter leisten Finanzierungsbeiträge durch Baudarlehen.


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